Zeit vs. Energie

Zur Zeit laufe ich wie der Hase von Alice durch die Gegend. Genauer: Ich sause wie ein aufgescheuchtes Huhn von Aufgabe zu Aufgabe, nur um sie halbfertig fallen zu lassen und weiter zu rasen. Mein Slogan ist weniger „Ich komm zu spät!“ und viel mehr „Ich hab keine Zeit!“. Für nichts nämlich.

Eine FB-Seite? Ein Instagram-Account? Unmöglich. Wann soll ich den betreuen? Ich find ja kaum Zeit für diesen verfluchten Klappentext und dann müssen noch Symbole entwickelt werden und Recherche über und und und – und wann war ich eigentlich das letzte Mal im Schreibnacht Forum? „Keine Zeit!“, schreit eine Stimme in mir.

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Wenn ich dann am Abend platt am Sofa liege, meldet sich eine andere Stimme.

„So“, sagt sie, „Jetzt hättest du ja eigentlich Zeit.“

„Hm.“

„Du musst ja keinen Klappentext schreiben. Schau halt ins Forum.“

„Hm.“

„Oder mach den FB-Account. Dauert drei Minuten.“

„Hm.“

„Oder-“

„Ich hab keine Zeit!“

„… Du isst Chips auf der Couch und schaust Supernatural. Keine drei Minuten für ein FB-Update?  Ernsthaft?“

Das ist dann der Zeitpunkt, wo ich mir die Antwort spare und die kleine Stimme zusammen mit meinem schlechten Gewissen zu ignorieren versuche. (Oder, was leider die letzten Wochen öfter vorkommt, in Nutella ertränken.) Denn das Poblem ist nicht die fehlende Zeit. Fünf Minuten für ein FB-Update hat jeder, behaupte ich mal. Ich auch. Aber alleine der Gedanke, einen weiteren Punkt auf meine ToDo-Liste zu setzen – *schauder*

Genau wie viele Leute  „Ich bin müde“ sagen und eigentlich meinen, dass sie traurig/überfordert/verängstigt sind, ist mein Lieblingsspruch offenbar „Ich hab keine Zeit“, wenn ich eigentlich meine: „Ich hab keine Energie dafür.“

Scheint, was die berühmte Einteilung von Kraft und Energie angeht, muss ich noch viel lernen.

Meine ersten Maßnahmen: Deadlines so realistisch wie möglich zu setzen und mich daran zu erinnern, dass es kein Weltuntergang ist, wenn sich die Veröffentlichung um ein paar Monate verschiebt. Und am Durchatmen muss ich auch noch etwas arbeiten.

Wie geht es euch denn mit euren To-Do Listen (des Allags und/oder Veröffentlichen)? Verstrickt ihr euch auch in diese „Keine Zeit!“Ausreden, wenn ihr eigentlich zu wenig Kraft habt?


19 Gedanken zu “Zeit vs. Energie

  1. Ich kenne beides, keine Zeit und keine Energie. Allerdings fließen die beiden auch sehr häufig in einander.
    Habe ich eine Zeit lang z.B. sehr viel Stress (keine Zeit), dann habe ich, wenn dieser nachlässt keinen größeren Wunsch, als auf der Couch zu liegen und Chips zu essen (keine Energie). Ist ja auch logisch, oder? Wenn man eine Weile auf 100% läuft, muss der Akku danach wieder aufgeladen werden.

    Geht mir im Moment mit meinem Blog so. Im Büro ist viel zu tun, was an den Nerven zerrt, also kriege ich mich abends nicht dazu, auch noch einen Post zu tippen. Geht einfach nicht.
    Mein Problem daran ist, dass ich ein Mensch mit großen Pflichtgefühl bin und somit die ganze Zeit denke, ich müsste doch etwas tun. Die Leser warten, der Stapel zu rezensierender Bücher wird immer höher, und ich habe seit über eine Woche nicht mehr gebloggt. Andere schaffen das doch auch.

    Aber da muss man dann eben an sich selbst denken. Manchmal muss es eben eine Folge Supernatural sein, da muss Facebook eben warten. Selfcare, baby ;)

    1. Das stimmt, Batterie aufladen ist wirklich wichtig. Und du hast recht – oft beißt sich da die Katze in den Schwanz.
      Ich denke nur, dass es „akzeptierter“ ist zu sagen „Keine Zeit!“ statt offen zuzugeben: „Zeit schon. Keine Energie.“

      1. Ja, weil wir in einer extremen Leistungsgesellschaft leben.
        „Keine Zeit“ heißt, dass wir viel zu tun haben und im Folgeschluss viel schaffen, „keine Energie“ wiederum ist Schwäche – und das will hier keiner sehen…

      2. Vor allem, weil man ja von Anfang an eingetrichtert bekommt, dass man nichts wert ist, wenn man nicht etwas schafft bzw. sich in Folge nicht eingestehen mag, wenn man einfach Ruhe braucht.
        Ich glaube, das geht der „heutigen“ Generation noch schlimmer als unserer. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, dass der Leistungsdruck zu meinen Schulzeiten schon so krass war. Da wurde man mit Realabschluss noch was…

  2. Liebe Katrin,

    ich befinde mich aktuell gerade in einer ähnlichen Situation. (Zu) viel um die Ohren, ich habe das Gefühl, ich komme zu nichts und wenn ich mal wieder die Tagesschau gucke, um mein Hirn zu entlasten, meldet sich das schlechte Gewissen. Tja, ich bin ja auch nicht gerade die Krönung was Zeitmanagement angeht. Da kann ich noch viel lernen und mir einiges aneignen (und verstehe, warum jeder, der das kann, einen Ratgeber verkauft). :)

    Wichtig finde ich, dass man sich nicht selbst unnötig unter Druck setzt. Solange die Deadlines „nur“ von einem selber gesetzt werden, ist es, wie du sagst, kein Weltuntergang, wenn’s ein wenig später wird. Hautpsache, es wird in absehbarer Zeit was. :) Diese Erkenntnis hatte ich eben auch gerade letzte Woche und ich nehm’s jetzt ein bisschen lockerer – so lässt mich mein Gewissen sogar hin und wieder noch das Wetter nach der Tagesschau gucken :P

    Liebe Grüsse und viel Energie!

    1. Ja, sich nicht noch selber fertig zu machen ist wichtig – und etwas, das ich auch noch lernen muss. ^^“
      Schön zu hören, dass du schon entspannter unterwegs bist :) Dir auch viel Energie!

  3. Bei mir ist das von Phase zu Phase unterschiedlich. Oder besser … meine Ausreden sind von Phase zu Phase verschieden. Einmal ist es die Zeit, einmal ist es die Energie. In Wahrheit ist es aber meistens die (Un-) Lust zu etwas. :D

    In der Zwischenzeit hab‘ ich diverse Deadlines in den Griff bekommen, eine gewisse Neigung Sachen aufzuschieben ist aber noch immer vorhanden. Insofern: Das Problem ist ungelöst. Ich arbeite eine Menge vor (Blog) und gebe diverse Veröffentlichungstermine (Artikel, Posts) erst bekannt, wenn die Dinger eigentlich schon fertig sind. Das erspart mir eine Menge.

    1. Vorarbeiten entspannt mich auch. Da weiß ich, dass ich mir zumindest um z.B Bloggen die Woche keinen Kopf machen muss.
      Ich versuch nur herauszufinden, woher die Unlust kommt. Bin ich zusehr im Stress? Keine Energiereserven mehr? Fürcht ich mich, weil ich etwas nicht (gut) kann? Oder freut es mich einfach wirklich nicht?
      Ist gar nicht so leicht ;)
      Hoffentlich findest du bald eine Lösung – und dann verrate sie mir!

  4. Schau mal in mein Blog: Gefühlt dreht sich dort ein Viertel der Einträge um das Thema „Warum’s mal wieder länger dauert.“ ^^

    Was mir ganz gut geholfen hat ist, Listen nicht mehr auf Papier, sondern bei Habitica zu führen. Da muss ich mich nicht drum kümmern, ob die regelmäßigen Termine auch notiert sind. Die Dringlichkeit zeigt sich automatisch, weil To Does, die länger liegen, rot werden usw.
    Aber ich neige auch dazu, meinen Tag vollzustopfen. Ein bisschen geht ja immer noch. Und manche Dinge scheinen zunächst auch zu irrelevant oder zu albern, sie aufzuschreiben: Geschirrspüler ausräumen, einen Verwandten oder eine Freundin anrufen, Blumen gießen, den Briefkasten ausleeren, das Fahrrad aufpumpen, eine Geburtstagskarte schreiben – was man eben mal eben so macht. Nur, dass es sich läppert und in der Masse eben doch Zeit verbraucht. Zeit die man nicht eingeplant hat und die einem nachher fehlt. Ganz abgesehen davon, dass ich mich auch gerne ablenken lasse. Durch Twitter, Facebook – oder weil ich eben noch schnell einen Kommentar in einem anderen Blog hinterlassen will. ^^ Und irgendwie dauert sowieso alles gerne mal 5 Minuten länger, als geplant.

    Dabei weiß ich theoretisch sogar, wie Zeitmanagement funktioniert. Leider vergesse ich nur immer wieder den elementaren Teil, nämlich Pausen und Puffer mit einzuplanen. Die Rechnung: Der Tag hat 24 Stunden, 8 schlafe ich, bleiben 16 zum Arbeiten, das passt schon, geht nämlich nicht auf.
    Die Folge ist dann das von dir beschriebene Gefühl, der Energielosigkeit – plus das schlechte Gewissen, nichts geschafft zu haben.

    1. Puffer und Pausen plane ich auch entweder gar nicht ein – oder viel zu großzügig. Und schwups sind drei Stunden weg *seufz*
      Habitica muss ich mir anschauen, dass klingt interessant. Schreibst du da auch Sachen wie „Freundin anrufen“ hinein?
      Danke, dass ich dir mit dem Post 10 Minuten stehlen durfte und du noch welche zum kommentieren geopfert hast ;)

      1. Kein Problem, wozu bin ich die Königin der Prokrastination? ^^
        Du wirst lachen, bei Habitica habe ich sogar solche Banalitäten, wie „Briefkasten leeren“ als tägliche Aufgabe reingesetzt. Das vergesse ich nämlich gerne mal. So ist es trivial und nimmt wirklich kaum Zeit in Anspruch. Aber die Post von mehr als einer Woche zu sortieren, kann schon ein anderer Schnack sein. Und ja, bei den To Does stehen auch Anrufe bei Familie und Freunden. Oder aktuell: Ein Geburtstagsgeschenk für meine Patentante besorgen (mit 6 Unterpunkten). ^^

      2. Haha – für den Titel sollte es mal eine „Wahl“ geben ;)
        Nein nein, ich versteh total, dass man gerade so kleine Handgriffe einfach nicht auf dem Radar hat. *sieht auf leere Teekanne, die seit einer Woche am Tisch steht*

  5. Ich sitze ohne Energie, aber mit viel Zeit auf meinem Bürostuhl und nicke jeden der Sätze in deinem Blogpost ab.
    Langfristig fällt mir auf: Wenn ich mich dann zwinge, es einfach TROTZDEM zu tun, bin ich hinterher glücklicher. Ich bin dann stolz auf mich.
    Seit einigen Tagen nehme ich mir fest vor, während der Hochzeiten zwischen 14 Uhr und 22 Uhr mindestens zwei Facebookpostings abzusetzen auf meiner Autorenseite. Manchmal ist das ein Krampf. Aber wann immer ich es dann „hinter mir“ habe, bin ich glücklich.
    Es gibt solche Phasen, da fällt es besonders schwer. Wenn gesundheitliche Faktoren hinzukommen (ich bin wetterfühlig, dieses wechselnde Wetter tötet mich), ist es fast unmöglich.
    Aber es muss getan werden und wenn es nicht getan wird, wird es nur noch schlimmer.

    Was dagegen hilft:
    – Wasser trinken (es ist erstaunlich, wie oft ich nur darum antriebslos bin, weil ich durstig bin)
    – Sport (10 Minuten reicht)
    – eine Dusche (macht fit :D )

    Das sind jedenfalls meine Mastertechniken :D

    1. Stimmt, Sport oder einfach raus gehen hilft, die Rumgammel-Routine zu unterbrechen und runter zukommen. Muss ich mich wieder öfter dran erinnern.
      Ja, das ist das elende – keine Energie/Lust, aber glücklich macht das nichts machen auch nicht. Fiese Sache >.<

      1. Klar :).
        Das Problem ist, dass dieses Gammeln gaaaanz schnell als „chillen“ oder „Freizeit“ wahrgenommen wird, aber genau das ist es eigentlich nicht.
        Es ist müdes Zeittotschlagen, das irgendwie auch keine Erholung gibt :(

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