Deine BetaleserInnen und du (Teil 2)

Willkommen zum (vorerst) letzte Post, in dem ich mich mit dem Thema Alpha-, Beta- und Testleser beschäftige. Hier habe ich kurz festgehalten, woran man meiner Erfahrung nach denken sollte, bevor man seinen Text an die LeserInnen schickt.

Nachdem du deine LeserInnen gefunden und dir den Kopf darüber zerbrochen hast, was du von ihnen willst und was du ihnen geben kannst, geht das Testlesen endlich in die erste Runde*.

Doch bevor du deinen Text losschickst, solltest du dir über zwei wichtige Sachen Gedanken machen, nämlich Fragebögen und die Deadline.

1. Fragebögen

why-1352167_1280

Fragebögen sind nicht nur wichtig, ich würde sogar behaupten, sie sind elementar. Zum einen, weil es das Feedback geben leichter macht. Und zum anderen, weil du ohne die richtigen Fragen irgendwelche Antworten bekommst. Und das kann sehr frustrierend sein, wenn du eigentlich wissen wolltest, ob Ben als Bösewicht überzeugt und das Feedback aus Analysen der Liebesbeziehung zwischen Clara und Fiona besteht.

Plane also etwas Zeit für die Entwicklung der Fragebögen ein. Je nach Projekt oder Überarbeitungsphase wirst du andere Sachen wissen wollen. Und warne deine TestleserInnen vor, wenn ein zehn Seiten Ungetüm an Fragen auf sie zukommt!

Meine Basis-Fragen für Alpha- und BetaleserInnen finder ihr hier:

Bsp Fragebogen Alphas

bsp-fragebogen-alphas PDF

Bsp Fragebogen Betas

bsp-fragebogen-betas PDF

Je nach Projekt(status) formliere ich um, geben neue dazu und andere weg etc.

2. Deadline

appointment-15979_1920

Gib deinen TestleserInnen vorab Information über Textlänge, Arbeitsaufwand (Fragebögen, Textstatus etc.), Deadline und wann sie mit dem Text rechnen können. Dann halte dich an deinen Termin und schick den Leuten zum versprochenen Zeitpunkt den Text im Format ihrer Wahl. Wenn es sich nach hinten verschiebt, gib kurz Bescheid. (Ein Punkt, wo ich mich auch noch an der Nase nehmen muss.)

Wenn manche keine Zeit haben, musst du dir überlegen, ob du das Testlesen verschieben willst/kannst, aber mach auf keinen Fall unterschiedliche Deadlines: Das wird dich wahnsinnig machen und es nimmt dir den Schwung.

Zumindest ich bin immer in totaler Chaka! Auf den Text mit Gebrüll!-Stimmung, wenn nach dem Däumchendrehen und Warten der letzten Wochen die Feedbacks eintrudeln. Da ich mit der Überarbeitung aber nicht anfange, bevor ich nicht alles Meinungen gehört habe, nimmt mir verspätetes Feedback diesen Schwung und ich prokrastiniere auf Twitter (anstatt z.B. den Klappentext zu schreiben).

Gib den Leuten nicht zu viel Zeit! Wenn du deinen LeserInnen drei Monate gibst, wird die ersten Wochen genau nichts mit deinem Text passieren und er wird a) vergessen oder b) irgendwann in den letzten zwei Wochen oder in der Nacht davor gelesen.

Es ist wie mit anderen Deadlines auch. Eine Deadline, die erst in Wochen ist, verführt dazu zu sagen: Wunderbar, ich mach das dann später.

Und: Setz deine Deadline ca. eine Woche vor deiner echten, geheimen Deadline an. Warum? Weil auch dem zuverlässigsten Betaleser das Leben dazwischenkommen kann. So kannst du ihnen ganz lieb noch eine Woche geben, wenn das „Ähm, duhuuu“-Mail bei dir eintrudelt und hast hoffentlich dann alle beisammen, wenn du laut deinem Plan wirklich mit der Korrektur loslegen solltest.

 

Wie macht ihr das mit euren Fragen und Deadlines? Was ist euch noch wichtig? Und wünscht ihr euch von AutorInnen, deren Texte ihr lest?

 

*Mir wurde gesagt, dass man seinen Text sicherheitshalber bei Servicen wie z.B. Priormart hinterlegen soll, bevor man ihn an fremde Leute schickt. So geht man sicher, dass es nicht zu Urheberrechtsstreitigkeiten kommt, falls einer deiner LeserInnen deinen Text als den eigenen veröffentlicht.

Ich habe das bis jetzt nicht gemacht. Falls dieses Szenario aber etwas ist, was dir Sorge bereitet, mach dich im Internet schlau: Es gibt dort die verschiedensten Angebote. Das soll übrigens keine Empfehlung für den verlinkten Service sein: Wie schon geschrieben, habe ich das selber noch nie verwendet. Sie waren einfach das erste seriös-wirkende Googleergebnis. ;)

 

 


2 Gedanken zu “Deine BetaleserInnen und du (Teil 2)

  1. Deadlines halte ich für eine gute Sache, aber man sollte berücksichtigen, wie viel ein Leser schaffen kann. Nur 2 Wochen Zeit für einen 150k Fantasy-Schmöker zu haben ist recht knapp für Leser, die gerade keinen Urlaub haben ;-)

    Hatte einmal einen Anfrage zum Testlesen und bekam eine Woche Zeit, um einen ganzen Roman zu lesen und ein schriftliches Feedback zu verfassen. Als ich nachfragte, ob ich mehr Zeit kriegen könnte (arbeitende Frau und so), bekam ich die lapidare Antwort, nee, geht nicht, weil 3 Tage nach dieser Deadline erscheint das Buch bei Amazon. Es stellte sich später heraus, dass der Autor keinen Betaleser suchte, sondern einen kostenlosen Korrektor, der die letzten Tippfehler ausmerzt. An Kritik war er nicht interessiert und würgte sie ab.
    Dieses Verhalten führte bei mir zu massivem Kopfschütteln, als ich ihn auf einen sich ständig wiederholenden Fehler hinwies, wo ein Wort im falschen Sinne gebraucht wurde. Antwort: Ja, ich weiß, haben mir schon viele gesagt, aber das ist mein Markenzeichen, dass ich dieses Wort dauernd benutze.
    Da sitzt man als Testleser erst mal da und versucht irgendwie zu begreifen, warum ein Autor freiwillig andauernd etwas macht, das falsch ist, obwohl er es besser weiß, und sich das Ganze schönredet. Und warum jemand nicht klar sagt, dass er Korrektoren sucht und keine kritischen Leser.

    Seit diesem Erlebnis habe ich meine Bereitschaft zum Testlesen stark eingeschränkt, weil die 4 Stunden, die ich fürs Feedback brauchte, vergebene Liebesmüh waren, und den Autor von der Liste der Autoren gestrichen, die ich lese.
    Daher bin ich dankbar, wenn ich Autoren finde, die eine ehrliche Rückmeldung zu schätzen wissen, und habe mir geschworen, meine Alpha-, Beta- und Testleser wie die Könige zu behandeln.

    1. Das ist ja echt ein unmögliches Verhalten von dem Typen. Also bei manchen Leuten kann man echt nur den Kopf schütteln. Einige AutorInnen scheinen zu vergessen, wie viel Arbeit Betalesen ist und das es wirklich ein riesengroßer Gefallen ist, der einem da gemacht wird.
      Leute, die eigentlich gar kein kritisches Feedback wollen bzw. jede Anmerkung mit einem „Aber ich will das so“ abschmettern, kenn ich leider auch.
      Bez. der Deadline: Ja, natürlich muss man die Deadline an die Länge und auch an die Leute anpassen!
      Deswegen sag ich meine Deadline vorher und frage, ob sich das ausgeht/für die Leser zu schaffen ist. Je nachdem justier ich dann noch einmal nach.
      Und das Leben kann immer dazwischen kommen, solange die Leute sich nicht wochenlang in Schweigen hüllen, kann man ja alles besprechen :)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s