Deine BetaleserInnen und du (Teil 1)

In diesem Beitrag unterscheide ich nicht zwischen Alpha- und BetaleserInnen, sondern taufe alle TestleserInn. (Die eigentlich wieder etwas anderes sind, aber das ignorieren wir jetzt einmal.)

Wir alle brauchen TestleserInnen. Mensche, die sich unsere Bücher in alle ihren Entstehungsphasen antun und die Finger in die zahlreichen Wunden legen, damit wir Logikfehler und Plotlöcher beheben können und unnötige Szenen und Charaktere streichen, in die wir uns so verliebt haben, dass wir ihre Unnötigkeit nicht sehen (wollen).

Aber wo finden wir diese LeserInnen, wenn uns jeder zweite Artikel davor warnt, die eigenen Werke nicht im Familien- oder Freundeskreis zu verteilen?

Bevor du auf die Suche nach TestleserInnen gehst, mach dir klar, was du eigentlich willst.

1. Was für ein Feedback möchtest du haben?

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Lob und gestreichelt werden? Dann gib es deinem besten Freund oder deiner Mutter zu lesen, irgendjemandem, der deine Gefühle auf keinen Fall verletzten will.

Der Punkt ist ganz ernst gemeint. Sei ehrlich mit dir: Wenn deine Testleserin dein Buch zerreißt, verwertest du das Feedback oder bist du noch nicht an dem Punkt und brauchst eher Aufmunterung/Ermutigung?

Das ist keine Schande, aber sei dir und vor allem deinem Testleser gegenüber ehrlich. Sag etwas wie: „Ich verzweifel grad etwas an dem Projekt, kannst du mir sagen, was dir gut gefällt und wo ich noch arbeiten muss?“

Du wirst anderes Feedback bekommen, als wenn dein Arbeitsauftrag lautet: „Lies das und dann sag mir, wie es dir gefällt.“ Abgesehen davon, dass so eine allgemeine Formulierung wenig hilfreich ist: TestleserInnen machen sich in der Regel viel Mühe und wenn diese Mühe dann ungeschätzt und ungenützt im Sand verläuft, ist das eine Zeitverschwendung für alle Beteiligten.

Faktencheck? Dann brauchst du Experten auf dem Gebiet. Kampfsportler, die dir erklären, wieso sich dein Prota selber mehr wehtut als dem Gegner. Äzte, die dir eindrücklicher als das Internet schildern können, wie so eine Leiche riecht oder was beim Eingriff XY zu beachten ist. (Hier ein Riesendanke an Thomas, dem ältesten und geduldigsten meiner Testleser.)

Wenn sich in deinem Bekanntenkreis und dem deiner Freunde niemand finden lässt, ist das Internet dein Freund: In Foren und auf SocialMedia wirst du sicher jemanden finden. (Der hoffentllich auch wirklich weiß, wovon er spricht.)

Konstruktives Feedback. Heißt eine ehrliche Meinung, die auch einmal weh tun kann. Du wirst vielleicht ein bisschen herumsuchen müssen, bis du eine Testleserin findest, mit derem Stil du kannst.

Manche Menschen verpacken ihr Feedback so liebevoll, dass man die „aber“ überliest und andere haben einen so scharfen Ton, dass man sich danach mit Eis unters Bett verkriecht. Aber keine Sorge, du findest „deine“ TestleserInnen – es dauert nur vielleicht ein bisschen.

 

2. Wie soll eure Beziehung ausschauen?

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Reicht dir das Internet oder willst du dich mit deinen TestleserInnen auch einmal auf einen Kaffee treffen? Brauchst du jemanden, bei dem du dich auch ausweinen kannst, jemaden mit dem du auch über Plotwendungen sinnieren kannst und der dir zu Hilfe kommt, wenn deine Charas einmal so gar nicht wollen? Oder sollen wirklich nur die Texte kommentiert werden?

Damit ist nicht gesagt, dass ein Testleser alle Ansprüche erfüllen muss – du brauchst ohnehin mehrere – aber es ist gut zu wissen, was man von dem anderen wirklich will, anstatt dann enttäuscht zu sein, weil man „nur“ das Feedback bekommt, statt nächtelang über die Kindheit von Charakter F zu diskutieren.

Auch hier gilt wieder: Sprich mit deiner Testleserin über das, was du dir so vorstellst. Niemand kann Gedanken lesen. Beziehungen brauchen außerdem Zeit, um sich zu entwickeln. Vielleicht kommst du auch dauf, dass du doch lieber mit Leser B nächtelang durchquatscht, statt mit Leserin A, mit der du gedanklich schon Beste-Schreibfreunde-Ferien geplant hast.

3. Was kannst du geben?

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Ich habe es schon erwähnt, aber hier noch einmal: Testlesen ist Arbeit. Es ist nichts, was sich so nebenbei erledigen lässt. Deine TestleserInnen investieren Tage und Wochen in dein Projekt um dir weiterzuhelfen, also sei nett zu ihnen! Würdige ihre Arbeit und revanchier dich, wo und wie du kannst!

Überleg dir deswegen, was du für sie tun kannst.

Schreiben sie auch und du kannst anbieten, ihre Texte zu lesen? Haben sie einen Blog und du kannst sie an deine Leser weiterempfehlen? Mögen sie Schokolade?

Auch hier: Sei ehrlich. Was kannst du und was willst du?

Du hast keinen Bock, dich durch 500 Seiten historische Fantasy zu quälen? Dann biete nicht an, im Gegenzug selber Testleser zu sein.

Du warst vor gefühlten hundert Jahren einmal reiten? Dann sollte sich dein Testleser besser einen anderen Faktenchecker für seinen Pferdersport-Thriller suchen.

Aber irgendetwas wirst du sicher finden, dass du für deine Testleser tun kannst – und wenn es nur ein offener Liebesbrief ist.

Wenn du diese Fragen für dich  geklärt hast, dann geht sie los: Die Suche nach deinen TestleserInnen.

Hier geht es zu Teil 2

 


2 Gedanken zu “Deine BetaleserInnen und du (Teil 1)

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