Das erste Mal

Der Alltag eines jeden Schreibenden sieht anders aus. Manche schreiben jeden Tag, andere am Wochenende. Manche stehen um 5 in der Früh auf, manche tippen bis in die Morgenstunden. Aber wir alle schreiben. Und wir träumen davon, unsere Geschichten mit der Welt zu teilen.

Zunächst bekommen nicht viele unsere Texte zu Gesicht, vielleicht sogar niemand. Dann, langsam und zögerlich, wird der Kreis erweitert: Alpha- und Betaleser kommen hinzu, vielleicht sogar eine Kritikgruppe. Aber wir haben die Kontrolle, wer den Text zu Gesicht bekommt und manchen versenken wir ungelesen im hintersten Ordner unseres Computers.

Wir tauschen uns mit anderen Schreibenden und Betalesern aus, wir lernen dazu, polieren Szenen, starten neue Projekte, verwerfen andere wieder und dann ist es auf einmal da. Das Projekt, das wir ansehen und sagen: Du. Du wirst der erste Text, den ich veröffentliche.

Endlich ist es gesagt. Die Zeit ist reif. Wir sagen es nervös, aber auch stolz: Ich arbeite an meiner ersten Veröffentlichung.

Am Anfang geht alles seinen gewohnten Gang. Schreiben, überarbeiten, verwerfen, neu schreiben. Wir schicken Roh- und Erst- und überarbeitete Fassungen an Alphaleser und Betaleser und alle dazwischen.

Wir grübelt über Cover und Widmung nach, recherchieren Ebook-Plattformen und ignorieren den Klappentext, den man auch dringend schreiben sollte. (Nein? Nur ich?)

Und dann, irgendwann, holt einen der Gedanke ein: Das wird der erste Text, den ich veröffentliche. Nicht mit nervösem Stolz holt er uns ein, sondern wie ein Faustschlag. Und alles ist anders.

Die To Do-Liste entrollt sich vor einem in die Unendlichkeit: Cover und Satz, Klappentext, Biographie, Lektorat, Korrektorat, Marketingstrategie, Landing Page, die zwölfte Überarbeitung.  Es türmt sich vor einem auf wie der Mount Everest. Wann soll ich das alles schaffen? Und wie?

Hätte ich nicht schon vor Monaten diesen Media Kit machen müssen? Und eine Facebook-Seite brauch ich auch noch! Hilfe, die BuchbloggerInnen habe ich ja völlig vernachlässigt und eigentlich wollte ich ja längst Pintrest-Boards machen und ein Teaser vom zweiten Teil sollte auch fertig sein und außerdem –

Und während der Stappel an Unerledigtem vor uns in die Höhe wächst, setzt sich ein alter Freund zu uns.

Der Zweifel. Er tippt uns auf die Schulter und flüstert: Wirklich? Dieser ganze Aufwand für diesen, ähm, na sagen wir einmal Text? Den Dreck? Du glaubst wirklich, das will wer lesen? Und auch noch dafür zahlen?

Der Zweifel schüttelt mitleidig den Kopf, zeigt auf Plotlöcher, auf langweilige Beschreibungen, passive Charaktere und hingeschusterte Übergänge, bis die eine Frage alles ist, was in unserem Kopf herumspuckt:

Bin ich gut genug?

Bin ich wirklich schon so weit? Oder soll ich nicht lieber noch warten, noch ein, zwei Romane für die Schublade schreiben, noch einen Kurs machen und diesen Schreibratgeber durcharbeiten, der so toll sein soll?

Bin ich arrogant, verblendet, eingebildet und sehe nicht, dass ich in Wirklichkeit keinen geraden Satz zusammenbringe? Dass meine Charktere so flach sind wie mein Plot langweilig?

Was wenn sich die Kritker auf den Text stürzen und ihn zerreißen, und zwar zu recht? Wenn die Amazonbewertung lautet: Jemand hätte ihr sagen sollen, dass sie nicht schreiben kann.

Was dann?

Ich weiß es nicht und der Zweifel, der es sich auf meinem Sofa gemütlich gemacht hat, ist sowieso keine große Hilfe.

Aber wie heißt es so schön?

Hinfallen. Krone richten. Aufstehen. Weiterschreiben.

Und versuchen nicht die Nerven wegzuschmeißen, wenn die ToDo-Liste immer länger statt kürzer wird.

Wie geht es such denn so? Bin ich die Einzige, die beim Gedanken an die bevorstehende Veröffentlichung die Nerven wegwirft? Ist es beim zweiten Mal leicher?

 

 

 

 


3 Gedanken zu “Das erste Mal

  1. Krone richten und weitermachen ist immer eine gute Einstellung :-D

    Meine Selbstzweifel sind ständig präsent werden aber seit Jahren gekonnt ignoriert. Sonst würde ich überhaupt keinen Satz mehr schreiben.

    Mach dir keine Sorgen, es wird alles gut gehen. Du kannst schreiben (und ich maße mir an, das nach der Lektüre ein bisschen beurteilen zu können ;-)), den Produktionskram kriegst du in den Griff, und wenn es einem Leser nicht gefällt – so what? Es wird immer jemanden geben, der unsere Geschichte nicht mag. Genauso, wie es immer Menschen geben wird, die unsere Storys lieben.
    Perfektion existiert nicht, also raus mit dem Werk in die weite Welt. Daheim auf der Festplatte hat es ganz bestimmt keine Chance, Menschen außer dir zu begeistern und zu bewegen :-)

    1. Danke dir für den Zuspruch *hugs*
      Ich hoff einfach, dass es beim zweiten Mal schon etwas leichter wird, vor allem das ganze Drumherum. Das macht mir zur Zeit ziemlich zu schaffen, aber da muss man als Selfpublisher eben durch. Hab ich mir ja selber so ausgesucht. ;)

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