Kein Plot ohne Liebe?

Wenn man Liebesromane schreibt, stellt sich diese Frage natürlich nicht. Aber für alle anderen – wie wichtig ist es, eine Liebesbeziehung (erfüllt, unerfüllt, einseitig, verboten…) in den Plot einzubauen?

Ich frage mich das, weil mir kaum ein Buch unterkommt, wo sich die Heldin nicht in irgendeiner Form mit Männerproblemen herumschlägt. (Sind wir ehrlich, in 99% ist es ein Mann.) Helden scheinen da eher darauf verzichten zu können, meine wilde Vermutung: die angedachte Zielgruppe. Was ich nach wie vor komisch finde, denn warum sollten Männer nichts über Sex und Beziehungen lesen wollen?

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Aber abseits von allen Spekulationen, was welche Zielgruppe angeblich lesen will: Wie geht es euch mit diesem Thema, als LeserInnen und als AutorInnen?

Liebe und Sex gehören zum Leben dazu, also ist es logisch, dass das Haben oder auch Nicht-Haben von beidem im Leben unserer Charaktere eine Rolle spielt. Doch muss es eine Rolle in dem Lebensauschnitt spielen, den das Buch zeigt?

Wenn ich mir so meine Projekte anschaue, geplante und bereits geschriebene, sieht es im Liebesleben meiner Heldinnen eher ziemlich düster aus. Nicht, dass ihre große Lieben unbedingt grausam abgeschlachtet werden – die meisten meiner Heldinnen sind viel zu sehr mit dem Überleben beschäftigt, um sich jemanden aufzureißen.

Die Liebesbeziehungen, die vorkommen, betreffen fast ausschließlich Nebencharaktere oder aber laufen sehr subtil im Hintergrund ab. (Blink and you miss it.)

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Ich habe mich gefragt, ob das mit meinen Lesegewohnheiten zu tun hat, aber ich lese von Thrillern bis Kitschromanen alles. Was mich allerdings regelmäßig nervt ist, wenn in einem Roman eine Beziehung eingeführt wird, die nichts zur Geschichte beiträgt, außer, dass sie jetzt einen Typen hat. Bücher, wo ich schon im ersten Kapitel weiß, dass die beiden ein Paar werden, weil er halt der einzige Mann in ihrer Nähe ist, nicht, weil sie so super zusammenpassen.

Was sind eure Gedanken?

Sollen Liebesbeziehungen nur dann vorkommen, wenn sie wichtig für die Entwicklung der/des Heldin/Helden ist? Wenn die Dynamik von Charakteren sie zur logischen Konsequenz werden lassen? Oder gehören sie einfach dazu, sind sie eine Zutat, ohne die eine Geschichte einfach nicht komplett ist?

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11 Gedanken zu “Kein Plot ohne Liebe?

  1. Wenn die Liebe einen Charakter trifft, dann trifft sie ihn halt, da ist man als Autor machtlos :-D

    Nee, ernsthaft, ich habe Plots, wo die Lovestory integraler Bestandteil ist (bei einem nicht als Romanze ausgelegtem Roman), und welche, wo überhaupt keine Liebesgeschichte weit und breit zu entdecken ist. Hängt immer vom Einzelfall ab und wird auch nur vorm Leser ausgebreitet, wenn sich die Lovestory auf den restlichen Plot auswirkt.

    Ich schreibe über Singles, Verheiratete, Geschiedene, Mütter, Väter, Alleinerziehende, Jugendliche, Pensionisten … Manche sind fest vergeben, manche verlieben sich in einem Buch, manche gar nie. Ist immer eine Frage des Plots. Ich hab noch nie eine Lovestory eingebaut, nur weil ich meinte, das müsste man so machen. Ich bin an allen Beziehungen meiner Figuren interessiert, egal ob es sich um Freundschaft oder Liebe dreht.

    Liebe kann, muss aber nicht ins Buch rein :-)

  2. Ich mag keine Liebesplots lesen. Hängt vielleicht damit zusammen, dass es bei mir irgendwie anders gelaufen ist und ich gar kein Interesse an Liebe und Sexualität hatte, bis ich DEN EINEN kennengelernt habe, den ich als meinen Seelenverwandten empfand. Wir sind inzwischen seit einem halben Jahrzehnt zusammen xD.
    Aber irgendwie waren diese ganzen „Er sah sie, sie sah ihn und sie hatten beide Schmetterlinge im Bauch“ etwas, was nicht Teil meiner Gefühlswelt ist. Bei mir funktioniert Verlieben anders und dieses Schwärmeverhalten kenne ich nicht aus eigener Anschauung. Für mich fühlt sich Liebe anders an.
    Und darum… kann ich mit den herkömmlichen Liebesgeschichten meist schlicht nichts anfangen. Es ist, als würden die Autoren von Liebesromanen über das Balzverhalten von Marsmännchen schreiben.

    Es ist schon… kurios, dass die ersten Romanversuche, die ich unternahm, eine asexuelle Protagonistin hatten. Die ersten Vampirin in meinem Universum überhaupt, erdacht mit 15, ist – wie ich jetzt weiß, damals hatte ich kein Wort dafür – Ace/Aro. Die wichtigste Vampirin in meinem Universum, ein paar Monate später entstanden, ist Ace und panromantisch.
    Da gehen romantische Plots gar nicht erst :D.

    Die logische Folge?
    Ich plane in der Regel keine romantischen (Sub-)Plots in meinen Geschichten ein, weil ich nichts schreibe, was ich nicht auch gerne lesen würde.
    Blöd nur, wenn man wie ich dazu neigt, figurengesteuert zu schreiben. Und doppelt blöd, wenn die Figuren auf einmal beschließen, sich zu verlieben (okay, beschließen kann man das nicht, aber du weißt, wie ich es meine :D ). Und auf einmal habe ich einen Schmied, der eine Prinzessin liebt. (Was kitschiger klingt, als es ist – die Prinzessin wird später Priesterin, ist verheiratet und hadert dauernd mit ihrem Glauben und der Schmied hat coole Kräfte. Außerdem starren sie sich nie an wie zwei Mondkälber :P ).
    Und ich habe keinen blassen Schimmer, wie man sowas schreibt.
    Jedes Kapitel, das die Romanze der Beiden zum Thema hatte, habe ich durchgehend verflucht, von der ersten bis zur letzten Zeile. Ich hasste meine Schreibe. Ich fand, ich werde dieser Aufgabe nicht gerecht.
    Meine Betaleser müssen entscheiden, ob sie mir diese Romanze abkaufen. Ich bin mir da sehr unsicher.

    Hoffentlich kann ich romantischen Plots aus dem Weg gehen. Ich kann die nämlich kein bisschen.

    1. Dein Schmied und die Prinzessin klingt spannend!
      Ich glaube, wenn man Liebe so schreibt wie man sie erlebt und nicht, wie man glaubt, dass man sie erleben/schreiben müsste, kann man nicht viel verkehrt machen.

      Ich muss sagen, dass ich bestehende Liebesbeziehungen leichter akzeptiere, als wenn sich Paare ineinander verlieben. Da bin ich sehr kritisch, vor allem, wenn sie sich ein Kapitel vorher noch gehasst haben oder sie sich vielleicht sogar vor ihm gefürchtet hat.

      1. Schmied und Prinzessin treffen sich… in irgendeinem der Bände meines Neunteilers. Sie kennen sich ab Band 2, aber die Liebesgeschichte kommt einen oder zwei Bände später. Weiß ich gar nicht auswendig :O.
        Stimmt, aber ich bin mir dessen bewusst, dass meine Sicht auf Liebe eben keine ist, die ich sämtlichen meiner drölfzig Figuren aufzwingen kann. Ich versuche eher, die Sicht meiner Charaktere nachzufühlen, so gut es geht, und dann aus ihnen heraus zu schreiben. aber wie gesagt, fehlen mir dann oft die Worte.
        Stimmt. Wenn ein Paar einfach ein Paar ist, dann ist das irgendwie… okay :D.

  3. Die Frage beschäftigt mich auch schon eine Weile und für mich lautet die Antwort: Ich kann auf Liebesplots gerne verzichten, wenn sie die Geschichte nicht vorantreiben.
    Als Leserin brauche ich sie definitiv nicht (außer, wenn mir, was wirklich ganz selten vorkommt, eine Liebesgeschichte unterkommt, die ich nicht nach 10 Seiten gähnend wegstelle). Es ist auf der anderen Seite auch nicht schlimm, wenn sich nebenbei eine Liebesbeziehung entwickelt – so lange die Geschichte nicht suggeriert, die beiden müssten jetzt unbedingt zusammenkommen, weil sie nun mal da sind (und Frauen ja bekanntlich einen Mann brauchen, um ein erfülltes Leben zu führen). Sowas geht gar nicht.
    Auf der anderen Seite habe ich in zwei Krimis vier Liebesplots untergebracht und dabei Szenen geschrieben, bei denen der Kitschalarm pausenlos geschrillt hat. Trotzdem bereue ich nichts und werde es notfalls wieder tun. Nicht für irgendein gedachtes Publikum, sondern weil die Auflösung im zweiten Band sonst sehr an den Haaren herbeigezogen gewirkt hätte. Beim ersten Band taucht das Thema nur sehr nebenbei auf und eher, weil die Figuren überhaupt Beziehungen zu anderen haben. Darunter ist dann eben auch die eine oder andere Liebesbeziehung.

    1. Ich sehe das genauso: Ich brauche keine Liebesgeschichte, aber wenn sich eine natürlich entwickelt: wunderbar.
      Und deine Liebesplots scheinen ja super in deine Krimis gepasst zu haben :)
      Man kann ja mit Liebesplots sehr viel machen und zeigen, ganz abseits von dem „und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“.

  4. Also, ich kann in vielen Fällen mit diesen obligatorischen Love-Stories, die ihn fast jeden Film-, Serien- und Roman-Plot irgendwie reingepfriemelt werden, auch eher wenig anfangen. Vor allem, wenn das nach dem Schema: Treffen –> einander hassen –> Schwertkampf/Bombenexplosionen/Alieninvasion –> Och, lass uns knutschen! abläuft. Da roll ich dann nur noch mit den Augen, weil es meistens einfach keinen Sinn ergibt. Denn meistens schildert man ja auch Geschehnisse, bei denen die meisten Menschen nun wirklich andere Sorgen hätten, als sich das Leben mit einer künstlichen Lovestory noch komplizierter zu machen… insofern kann ich deinen Satz „… die meisten meiner Heldinnen sind viel zu sehr mit dem Überleben beschäftigt, um sich jemanden aufzureißen“ nur voll und ganz unterschreiben.

    In meinem aktuellen Projekt ist derzeit auch nirgendwo Romantik geplant. Evtl. wird es im zweiten Teil die eine oder andere sexuelle Begegnung meiner Heldin (die übrigens auf Frauen steht) geben – wahrscheinlich dann aber, weil der Plot das dann gerade so braucht (oder weil die Heldin es so braucht) bzw. basiert ein Großteil ihrer Vergangenheit und ihres Lebensweges auf den Folgen einer gescheiterten großen Liebe, so dass das Thema für sie eher „Igittbäh“ ist, so generell. Soll es ja auch geben. Auf eine dieser nervigen 08/15-Standard-Romanzen, die man bei vielen Titeln schon anhand des Klappentextes erahnen kann („… begibt sich Thekla-Edwina zusammen mit dem jungen Rumpelrattenjäger Klaus-Kevin auf eine gefährliche Reise…“ *meeeh*) verzichte ich grundsätzlich immer und überall explizit und ganz bewusst. Man soll ja bekanntlich nur schreiben, was man selber gerne lesen würde… ;)

    1. Da hat deine Heldin zumindest in dieser Hinsicht keine Männerprobleme. ;)
      Eben, mit Liebesbeziehungen kann man so viel mehr machen – und aus dem Charakter machen – außer dieses „Ihr zwei seids jetzt zam, weil das halt so ist“.
      Und wenn der Charakter oder der Plot das fordert ist ja alles wunderbar.

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