Novelle vs. Roman

Warum schreibt man Novellen?

Ich habe damit angefangen, weil ich mich an kürzeren Texten probieren wollte und zu feig für Kurzgeschichten bin.

Kurzgeschichten und ich haben noch nie eine gute Beziehung gehabt. Ich habe keine einzige geschrieben, mit der ich auch nur annähernd glücklich gewesen wäre. Das Schreiben von einer KG endet in zusammengeknülltem Papier, ein paar lieblosen Sätzen und Prokrastination mit einem Romanprojekt. Irgendwann werd ich auch diese Textform bezwingen, aber bis dahin ignorieren wir uns gegenseitig.

Also bleibt die Novelle. Dem Roman ähnlicher als die KG, aber, trommelwirbel, kürzer. Man findet unterschiedliche Wortzahlen und manche Leute verschwenden tatsächlich Zeit darauf sich darum zu streiten, wann genau ein Text noch eine Kurzgeschichte oder schon ein Roman ist.

Ich würde sagen, eine Novelle hat so zwischen 30.000 und 50.000 Wörtern. (Andere würden letzteres schon Kurzroman nennen. Ist mir auch recht. )

‚Also‘, hab ich mir gedacht, ‚Schreibst mal schnell ein paar Novellen. Wird sicher lustig.‘

Aha. Ahahahaha. Wie war das mit der Hochmut und dem Fall? Meine hat es der Länge nach in eine Schlammlacke geklatscht.

Memo an mich: Die ganzen Novellen 101 nicht nur nickend mit ‚Is eh logisch‘ überfliegen, sondern 1) lesen und 2) beherzigen.

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Manchmal kommt es halt doch auf die Länge an. (Ja, ja , ich weiß – aber das war einfach zu aufgelegt, um es zu ignorieren.)

 

An dieser Stelle ist zu sagen, dass es mir bei „Novelle“ vor allem um die Textlänge geht und nicht um Gattungsmerkmale wie Symbolik etc. Asche auf mein Germanistenhaupt. Aber die Länge hat es in sich.

Was ich bis jetzt auf die harte Tour gelernt habe:

Plot

Weniger Platz bedeutet auch wenig bis kein Raum für Nebenplots. Sich in irgendwelchen Geschichten von Nebencharakteren zu verstricken, führt spätestens beim ersten Durchlesen mit sicheren Schritten zum Nutellaglas, um sich darin zu ertränken.

Nachdem ich an einer Novellen-Serie sitze, muss ich aber bis zu einem gewissen Grad Sachen anteasern etc. Dabei den richtigen Grad zu finden, ist das Kunststück, an dem ich noch arbeite.

Charaktere

Beim Schreiben von Novelle Nr.2 war ich kurz davor, Novelle und Laptop an die Wand zu klatschen. Nichts passte, die Geschichte war fad, die Dynamik beim Teufel und die Charaktere flach. Ein tiefes Durchatmen später fand ich dann den Fehler.

Ich hatte sechs (6!) neue Charaktere eingeführt. Das wäre schon bei einem Roman zu viel, aber für eine Novelle? *gehtsichindieEckeschämen*

Charaktere brauchen Szenen. Erstens, um tun zu können, was sie tun sollen und zweitens – und das ist das Wichtigste – damit der Leser sie kennenlernt. Wenn ich einen Charakter nicht kenne, ist mir ziemlich egal, was mit ihm passiert.

Leser 1: „Spoiler, Franz stirbt.“

Leser 2: „Wer von denen war noch mal Franz?“

In einer Novelle stehen weniger Szenen zur Verfügung, also muss man sich genau überlegen, wofür und für wen man sie verwendet. Nachdem ich das immer erst nach dem Schreiben einer Szene weiß (Discovery-Writing FTW!), hatte ich mich in ein ordentliches Chaos geschrieben. Planung. Ich sollte es probieren.

Ich bin mir sicher, meine Lektorin wird mich noch auf ein paar Sachen hinweisen, wo ich mir im Nachhinein denke: Wie ist mir denn das passiert? Ist doch logisch, dass das nicht funktioniert.

Bis dahin versuch ich die Anzahl meiner Charaktere unter Kontrolle zu halten und klopf mir mit dem Nutellalöffel auf die Finger, wenn ich zu intensiv mit der Backstory von einem Nebencharakter zu flirten beginne.

Habt ihr euch schon an Novellen versucht? Wie geht es euch mit Kurzgeschichten?

 


12 Gedanken zu “Novelle vs. Roman

  1. *g* Ja, da erkenne ich mich wieder …
    Ich und Kurzgeschichten vertragen sich einfach nicht. Mir fällt nichts Kurzes Knackiges ein, und falls doch einmal, kann ich mir sicher sein, dass sich beim Schreiben herausstellt, dass es nur der Anfang einer längeren Sache ist. Länger wie in „Roman“ *headdesk*

    Deshalb dachte ich mir auch, na gut, dann eben Novelle, in der schlichten englischen Bedeutung von „längere Geschichte“ und nix mit dem Germanstikkram dran (ich hab die „Marquise von O.“ zu Tode analysiert, danke, nie wieder). Ich hab noch keine geschrieben, sondern gerade die erste durchgeplottet und stelle voller Stolz fest, dass es tatsächlich bei einer Novelle bleiben könnte – ein Handlungsstrang, keinerlei Subplots, nur zwei POV-Charaktere. Wie das dann wird, wenn ich sie schreibe … warten wir’s ab.

    Eine Serie aus Novellen würde mich reizen, sowohl zum Lesen als auch zum Schreiben. Nicht so ausufernd wie ein Roman, schreibt sich schneller und macht Hunger auf mehr beim Lesen. Problem: für jede Novelle einen spannenden Plot zu finden, der sich wirklich in 40k erzählen lässt, dabei aber Raunm für Fortsetzung und/oder einen novellenübergreifenden Handlungsstrang lässt.
    Ich bin gespannt, wie du das löst, und erwarte mir jede Menge hilfreiche Tipps :-P

    1. Ich bin auch gespannt, wie ich das löse *lach*
      Super, dann kannst du mit deiner ersten Novelle gleich loslegen und wir können uns dann miteinander austauschen (und/oder weinen).
      Serien sind generell schwierige Biester, wie ich immer mehr draufkomme. Ich denke, wichtig ist zu wissen, welche Art von Serie man schreibt: abgeschlossene Geschichten mit gleichem Chara oder mehr „ein großes Buch“, das man aufteilt.
      Das „Monster der Woche“ macht mir zum Teil echt Probleme.

      1. „Monster der Woche“ trifft’s gut bei Novellenreihen. Ich glaube, ohne gute Planung kommt man da nicht weit, damit man einen übergreifenden Handlungsstrang in jeder Story berücksichtigen kann.

        Meine einzige echte Novelle spielt dummerweise zwischen 2 Romanen, also muss ich erst Roman 1 schreiben, damit ich damit anfangen kann. Natürlich könnte ich sie auch vorziehen, aber dann hab ich noch was auf der Festplatte liegen, was keiner lesen wird, weil’s ein Teilstück eines großen Ganzen ist. Ich hab mir vorgenommen, heuer nur Sachen zu schreiben, die als Standalone oder 1. Teil gelten, sonst lynchen mich meine Betaleser.

  2. Ich möchte unbedingt mehr Kurzgeschichten und Novellen schreiben (an letzterem arbeite ich gerade), aber ich habe selten Ideen für kürzere Sachen. Selbst meine letzte Kurzgeschichte dient inzwischen als Experiment für eine Figur, die ich in einem meiner Romane einbauen will :P

      1. Ich hab auch das „Problem“, dass ich mich immer in meine Figuren verliebe. Da kann man nicht einfach nach ein paar Seiten auf Wiedersehen sagen.

      2. Oh, wie gut ich dieses Problem kenne … Wieso wird aus einer Kurzgeschichte binnen einer Woche immer eine 12-bändige Saga? Warum kann die Muse nicht loslassen? Meine Muse hat eindeutig ein Abgrenzungsproblem. Sie hängt zu sehr an ihren Charakteren.

      3. Wenn die Muse nicht so sehr an den Charakteren hängen würde, würde man vermutlich aber auch nicht die Motivation aufbringen, sich überhaupt mit ihnen zu beschäftigen. Es ist ein Teufelskreis *seufz* :P

  3. Liebe Katrin,
    mir ging es beim Schreiben meiner Novelle sehr ähnlich. In der Rohfassung war es einfach zu viele Informationen, die den Leser nur verwirrt und den Text viel zu lange gemacht hätten, aber Kurzgeschichten kann ich noch viel weniger schreiben :) Ich habe das immer gehasst…
    Im Moment arbeite ich neben meinem neusten Romanprojekt auch an einer Novellen-Reihe, die in derselben Welt, aber viel früher spielt und irgendwie nehmen sie trotz kürzerer Handlung (eigentlich) schon beim Planen Romanausmaße an… Mal gucken, was ich da rausschmeißen werde :D

    Und was ich dir auch noch sagen wollte: Ich habe dich heute für den Liebster Award nominiert und hoffe natürlich, du bist damit einverstanden. Alles weitere findest du hier: http://goo.gl/ONFz3m

    Liebe Grüße von Kate :)

    1. Liebe Kate,
      du bist ja der wahnsinn, sitz grad ganz fassungslos vorm PC und grins wie ein Honigkuchenpferd. Danke!

      Ja, wenn man das Romane schreiben gewöhnt ist, stolpert man bei Novellen wohl rasch mal über die Länge. Schön, dass ich nicht alleine bin damit :)
      Wie machst du das denn mit dem parallel arbeiten an Projekten? Hast du bestimmte Tage für jedes Projekt oder arbeitest du immer an beiden?

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