Zeit zum Schreiben

Zeit zum Schreiben ist etwas, von dem man nie genug haben kann.

Es ist etwas, was man selten findet und sich deswegen meistens nehmen muss: Hier ein paar Minuten, da vielleicht sogar mehrere Stunden. Denn neben Arbeit und Arztterminen gibt es da auch noch Partner, Kinder und Haustiere, die bespaßt werden wollen und ein Sozialleben möchte man dann doch auch haben.

Zeit zum Schreiben

Der größte Fehler, wenn es um das Schreiben und die Zeit dafür geht, ist der, den ich lange Zeit gemacht habe: „Ach, ich hab nur noch 10 Minuten, da zahlt sich das Anfangen doch gar nicht aus.“

Falsch gedacht. Es ist erstaunlich, was man in zehn Minuten so alles tippen kann. Mein erstes NaNoWriMo 2011, wo ich Wörter in Zehn-Minuten-Pausen hektischer Arbeitstage quetschen musste, hat mir damit eine wertvolle Lektion erteilt: Wenn ich am Abend nur 500 Wörter geschrieben hatte, waren das immerhin 500 Wörter mehr, als ich sonst geschrieben hätte.

Ich war lange der Überzeugung, dass ich einfach mehr Zeit brauche, um meine Bücher zu schreiben. Ich habe davon geträumt, ein Jahr nicht zu arbeiten und stattdessen nur zu schreiben. Als ich dann tatsächlich einmal drei Monate Zeit gehabt hätte, habe ich vielleicht fünf Sätze geschrieben und endlich eingesehen, dass – zumindest bei mir – dieser Satz 100 Prozent zutrifft:

„Wenn du nicht schreibst, wenn du keine Zeit hast, wirst du es auch nicht tun, wenn du Zeit hast.“ Katerina Stoykova Klemer

Paradoxerweise bin ich um so produktiver, je mehr ich anderweitig zu tun habe. Ich habe einen ganzen Tag Zeit zum Schreiben? Oh, wie schön. Erst einmal ausschlafen. Und dann Tee machen. Ein bisschen aus dem Fenster schauen. Ein bisschen auf YouTube, so zum Einstimmen. Öhm – wo ist der Tag hin?

Aber ich habe nur eine Stunde, dann bin ich den Rest des Tages außer Haus? Schon rasen meine Finger über die Tasten.

Dass ich so gerne herumtrödel, wenn ich einmal einen Tag zum Schreiben hätte, ist natürlich etwas, an dem ich arbeite. Aber ich habe aufgehört, Projekte in die ferne Zukunft zu verschieben, „wo ich dann mal Zeit habe“.

Die berühmte Schreibroutine (jeden Tag in der Früh etc.) ist als starre Form in meinem Alltag nur schwer möglich, einfach, weil meine Arbeitstage von Woche zu Woche anders ausschauen können.

Doch bevor man sich überhaupt an das „Anerziehen“ einer Schreibroutine macht, ist es wichtig erst einmal herauszufinden, wie man überhaupt tickt:

  • Wann schreibst du am liebsten? Bist du ein Morgen- oder Nachtmensch?

Zeit zum SchreibenManche Leute stehen mitten in der Nacht auf, um vor der Arbeit (und dem Erwachen der Familie) noch ein paar Seiten zu tippen. Andere bleiben bis in die Puppen auf, um sich den Traum vom Schreiben zu erfüllen.

Wie ist es bei dir? Wann könntest du dir am besten Zeit nehmen? Und wie beeinflusst das deinen Tag und dich?

Ich, zum Beispiel, bin bis neun in der Früh unbrauchbar. Und wenn ich um fünf in der Früh aufstehe, bin ich den Rest des Tages unbrauchbar. Klar könnte ich mit dem Morgengrauen aufstehen. Aber für mich ist es besser, wenn ich bis 2 Uhr nachts schreibe.

  • Wo schreibst du gerne? Zuhause, Kaffeehaus…

Schreiben ZeitManche Leute brauchen absolute Stille, um zu arbeiten. Andere Musik. Wieder andere schwören auf zwei Schreibtische (einen zum Schreiben, den anderen zum Korrigieren). Manche gehen ins Kaffeehaus und anderen ist es völlig egal, solange sie Kaffee haben.

Wie ist das bei dir? Brauchst du Ruhe oder deine Playlist zum Buch? Dein Arbeitseck oder geschäftiges Treiben?

Ich schreibe gerne zuhause, aber das Kaffeehaus ist meine Wunderwaffe.

Wenn ich merke, dass ich daheim nur prokrastiniere, zwinge ich mich aus dem Haus. Was an diesen Tagen in meinen eigenen vier Wänden nicht klappt, geht im Kaffeehaus auf einmal problemlos.

Und das Wichtigste:

  • Wann machst du mit Sicherheit nichts?

Zeit zum SchreibenIch weiß zum Beispiel, dass ich von meinem Sofa nur sehr schwer noch einmal hochkomme, wenn ich nach der Arbeit erst einmal darauf sitze. Also versuche ich, mein Schreiben vor der Arbeit zu erledigen. Wenn das nicht gegangen ist, fahr ich nach der Arbeit nicht direkt nach Hause, sondern ins Kaffeehaus und schreibe dort ein bisschen, bevor ich dann aufs verdiente Sofa falle.

Wann sind deine Nichts-geht-Zeiten? Nach der Arbeit/dem Sport? Wenn du hungrig bist? In der Nacht?

Finde heraus, was du brauchst. Wann und wo du am besten arbeitest, wie du dir in deinen Tagen Platz zum Schreiben schaffen kannst. Versuche, dir Zeit zu deinen Lieblingsstunden zu nehmen.

Und dann finde einen Weg, Kompromisse einzugehen. Denn die perfekten Schreibkonditionen sind wie die rosa Drachen: Nicht existent.

Deswegen: Schreib! Auch wenn du nur zehn Minuten hast, auch wenn du es hasst, im Zug zu arbeiten, auch wenn die Kinder gerade die Wohnzimmerwand anmalen oder die Schwiegermutter in drei Minuten an der Tür läuten wird.

Du wirst dich wundern, was du in zehn Minuten schaffst. Der mitlesende Sitznachbar ist dein Beta-Leser und kreative Entfaltung ist für Kinder wichtig. Mit den Millionen des Bestsellers kann man dann den Maler bezahlen und die Schwiegermutter versöhnt sich dann auch.

Wie ist es mit eurer Zeit zum Schreiben? Wann und wie nehmt ihr sie euch?


14 Gedanken zu “Zeit zum Schreiben

  1. Am Liebsten würde ich den Artikel überall hinteilen, wo Autoren unterwegs sind. Denn du hast Recht. Jede Minute kann genutzt werden!
    Auf die Einzelfragen antworte ich dann am PC, aber das musste ich erstmal loswerden.

      1. Da hast du Recht – es ist ein Lernprozess. Aber mit dem muss man erstmal anfangen, sonst kann man nicht vorwärts :).

        Ich beantworte mal deine Fragen, wie versprochen :).
        >>Wann schreibst du am liebsten? Bist du ein Morgen- oder Nachtmensch?<>Wie ist es bei dir? Wann könntest du dir am besten Zeit nehmen? Und wie beeinflusst das deinen Tag und dich?<>Wie ist das bei dir? Brauchst du Ruhe oder deine Playlist zum Buch? Dein Arbeitseck oder geschäftiges Treiben?<<
        Am Besten schreibe ich bei mir an meinem alten Schreibtisch noch aus der Schulzeit, hingegammelt in bequemen Schlabberklamotten, direkt neben dem Heizkörper und mit vieeeel Ablagefläche für Tee, eine große Mineralwasserflasche und einem Suppenteller voller Obst. Granatapfelkere oder Pomelostückchen. Oder Trauben. Nur Erdnüsse sind blöd. Für die braucht man beide Hände zum Schälen, wenn es nicht die aus der Aludose sind. Und ich brauche dazu einen Bürosessel, dessen Sitzfläche so groß ist, dass ich mich darauf zusammenkringeln kann, um zu schreiben.
        Ansonsten: Ich hasse es, wenn es zu ruhig ist. Ich muss im Hintergrund irgendwelche Menschen herumhuschen und reden hören. Am Besten arbeite ich, wenn jemand mit im Raum ist, den ich notfalls einfach random mit meinen Selbstgesprächen belästigen kann.
        Klingt schräg? So ziemlich. Ist aber die perfekte Arbeitsatmosphäre für mich >Wann sind deine Nichts-geht-Zeiten? Nach der Arbeit/dem Sport? Wenn du hungrig bist? In der Nacht?<>> Okay, ich bin ein schräger Mensch. Aber das sind alle Autoren ein bisschen, oder?

    1. Da weißt du ja ganz genau, was du brauchst :) Schreibst du dann auch immer so oder musst du oft umdisponieren?
      Ja, die Selbstgespräche – das ist so eine typische Schreibersache, denke ich ;)

      1. Stimmt, aber ich schreibe ja auch schon relativ lange systematisch, hatte also vieeeel Zeit, herauszufinden, was ich brauche :).
        Umdisponieren… Wenn ich bei meinem Freund bin, habe ich natürlich nicht MEINEN tollen Bürostuhl, sondern den wesentlich unbequemeren Bürostuhl dort und Knabbereienverbot am PC-Platz. Aber ich merke, dass ich dort länger brauche, um auf die gleiche Wortzahlen zu kommen. Es ist einfach nicht so perfekt…
        Stimmt, das glaube ich auch :D

  2. Zu Unizeiten habe ich immer die 45 Minuten Zugfahrt zur Uni zum Schreiben genutzt, insb. wenn es mal keinen Prüfungsstress gab. Oder ein paar freie Minuten zwischen den Vorlesungen. Oder wenn ich beim Zahnarzt warte …

    Ich habe eher Probleme, lange Zeit am Stück zu schreiben. Wenn ich die Zeit habe und mich ans Notebook setze, muss ich in der Regel um jedes Wort kämpfen, weil die Muse sagt, „Nö, ich bin gerade beschäftigt.“

    Ich habe eigentlich immer einen Collegeblock oder zumindest mein Tablet dabei. 95% meiner Schreibarbeit kommen so zustande. Das Notebook benutze ich häufig nur zum Abtippen und Überarbeiten.

  3. Bin eben auf Deinen obigen Post gestossen und dachte, ich lese nicht recht: Eben dieses Zeitmanagement-Thema beschäftigt mich gerade ganz akut. Zu den die Zimmerwände verschönernden Kindern: Ich war just heute in folgender, vergleichbaren Situation: Mein sich überall hoch- und alles herunterziehendes Baby hängt quengelnd an meinem Bein, während meine knapp Dreijährige das Sofa als Trampolin missbraucht, alle 10 Sekunden den Verlust ihrer Playmobilprinzessin beklagt und mich in den Intervallen dazwischen Löcher in den Bauch fragt. Ich balanciere den Laptop auf der Sofalehne und versuche stehend, inmitten dieses ganzen Trubels halbwegs sinnvolle Sätze zu produzieren. Was mir wirklich schwer fällt. Ich bin so ein Typ, der zum Schreiben Ruhe braucht. Ansonsten kann ich nicht abtauchen. Das muss ich aber, damit ich in den Fluss komme. Da ich in diesem Stadium aber nurmehr physisch anwesend bin, wäre das so oder so nicht tragbar mit den beiden Kleinen. Ich füttere dann das Baby versehentlich mit Latte Macchiato statt mit Brei und sage zu allem, was meine Grosse von sich gibt – und das ist viel – Ja. Fatal. Grundsätzlich wäre ich wie Du eine absolute Nachteule, aber zum Einen sind meine Kinder leider gnadenlose Frühaufsteher. Zum Anderen aktiviert mich das Schreiben ungemein und ich brauche lange, lange, bis ich so weit runterkomme, dass tatsächlich an Schlafen zu denken ist. Zusätzlich funkt mir noch meine Insomnie dazwischen. Praktisch sieht das dann so aus: Ich laufe so gegen 23.00Uhr warm und um 02.00Uhr erreicht meine Schreiblust ihren Höhepunkt. Wenn ich mich im Griff habe, stoppe ich mich trotzdem und schnappe mir noch ein Buch bzw. meinen Kindle, um mich runterzufahren. So ca. um 03.00Uhr hätte ich dann die Chance, eventuell einschlafen zu können. Was oft nicht klappt. Gegen 04.00Uhr will mein Baby meist stillen und um 05.30Uhr erklärt meine Große die Nacht für endgültig beendet. Tagsüber habe ich meist nur dann ein paar ruhige Minuten, wenn das Baby um 10.00Uhr seinen 30-Minuten-Powernap hält. Die Große ist zwar im Kindergarten, kommt aber Mittags heim und Mittagsschlaf hat sie schon lange abgeschafft. Tja. Dennoch oder gerade deswegen hat mich Dein Artikel sehr inspiriert und ich werde nun tatsächlich versuchen, jede freie Minute zum Schreiben zu nutzen. Ausserdem empfinde ich es als sehr tröstlich, dass andere auch keine Zeit zum Schreiben haben und es trotzdem tun. Herzliche Grüße und danke für diesen erfrischenden und motivierenden Text!

    1. Wow. Respekt, dass du dir – wie wenige auch immer – Minuten zum Schreiben aus deinem Tag erkämpfst. Ich glaube, ich würde die ruhigen Minuten zum Schlafen nützen *hust* ;). Mit kleinen Kindern stell ich mir das wirklich brutal anstrengend vor und sehe auch bei einer Autorenfreundin, wie hart das ist. Da kommt hin und wieder der Babysitter, damit sie irgendwie ihre Deadlines schafft.
      Ich drück dir auf jeden Fall ganz fest die Daumen, dass du das Schreiben gut integrieren kannst – und dass deine Kinder vielleicht doch noch Spätaufsteher werden.

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