Warum Self-Publishing?

Self-Publishing beschwört vor allem im deutschsprachigen Raum das Bild verbitterter Autoren hervor, die – verkannt von den Verlagen – ihre Kindheitserinnerungen unlektoriert drucken lassen, um ihr Buch dann kistenweise in der Garage zu stapeln.

Vanity-Publishing ist das unschöne Wort dafür, dass alle Nicht-Verlags-AutorInnen über einen Kamm schert.

Dabei wird übersehen, dass viele AutorInnen den Selbstverlag nicht gewählt haben, weil sie keinen Verlag gefunden haben, sondern weil sie keinen Verlag wollen. Und das hat nichts mit Arroganz zu tun, sondern mit dem Abwegen von Vor- und Nachteilen, die die beiden Veröffentlichungsformen mit sich bringen.

Der Weg als Indie-AutorIn

Katrin Ils_Fantasy

Ich habe lange gegrübelt und recherchiert, bevor ich mich für Indie-Publishing entschieden habe.

Denn seinen Weg als Indie-Autor zu wagen, kann manchmal beängstigend sein. Zumindest geht es mir so.

Ich bin für alles alleine zuständig: Schreiben, Projekte planen, einen Lektor finden und bezahlen, einen Designer finden und bezahlen, Marketing, Business-Plan, Kopfzerbrechen über Titel und was jetzt meine „Marke“ ist, Autorenseite bauen und pflegen uvm. Ich habe niemanden hinter mir und am Anfang nur Kosten: Lektorat, Korrektorat, Coverdesign, Webseite… Keine Spur von einem Garantiehonorar.

Warum tut man sich das also an?

Christian Cölln hat einen schönen Beitrag darüber geschrieben, warum er den Weg gewählt hat. Mein Grund? Kontrolle.

Ich möchte schreiben, was ich will, nicht, was gerade (angeblich) zum Markt passt.

Ich möchte nicht mit Krampf eine Liebesgeschichte in einen Text quetschen, weil „die Leser das wollen“.

Ich will Titel und Cover bestimmen, ich möchte selber entscheiden, wann eine Serie beendet wird und ob ich aus einem Stand-alone nun doch eine Triologie mache oder eben nicht.

Werd ich Fehler dabei machen? Ja, aber sicher doch! Vermutlich reichlich und ein paar hab ich auch schon begangen. Es ist ein Learning by Doing und ich bezweifle, dass ich je auslernen werde.

Verlag oder Indie-Publishing?

Katrin Ils FantasyWie alles im Leben hat sowohl Verlags- als auch Self-Publishing Vor- und Nachteile. Es gibt einen Grund, warum der Hybrid-Autor, also jemand, der beides macht, zum Model der Zukunft erklärt wird.

Das Wichtigste, bevor man sich für einen Veröffentlichungsweg entscheidet, ist sich selber klar zu machen, was man mit dem Schreiben eigentlich erreichen möchte. Was ist Erfolg für dich?

Wer davon träumt, seine Bücher in jedem Buchgeschäft zu sehen, ist mit Self-Publishing schlecht beraten.

Wer über Space Opera-Dinosaurier-Vampire schreiben möchte, wird vermutlich länger nach einem Verlag suchen.

Schlussendlich sind es einfach verschiedene Reisen zum gleichen Ziel: Leser zu unterhalten und sie für ein paar Stunden aus dem Alltag in eine andere Welt zu entführen.

Warum habt ihr euch für einen Verlag/für Indie-Publishing entschieden? Wo seht ihr die Vor- und Nachteile?

Informationen Indie-Publishing

Selfpublisher-Bibel (deutsch)

Joanna Penn von thecreativepenn.com (englisch)

ALLI (Alliance of Independent Authors) (englisch)

Molly Green: Business Plan Basics for Authors

Writer’s Digest: Pros and Cons (englisch)

Benjamin Spang hat für seinen Roman Blut gegen Blut Crowdfunding ins Leben gerufen. Informationen findet ihr auf seinem Blog.


8 Gedanken zu “Warum Self-Publishing?

  1. Eine interessante Einsicht – wirkt auf mich fast wie die Liebeserklärung an das Self-Publishing <3
    Und du hast Recht, wenn ich bei SP-Autoren stöbere, finde ich so oft Geschichten, bei denen ich denke "Wie innovativ/toll/ungewöhnlich ist das denn?" Aber auch, als erfahrene Leserin "Das hätte leider vermutlich niemand gedruckt. Zum Glück gibt es Self-Publishing".
    Für mich wäre das nichts und zwar aus mehreren Gründen:

    1. Als SP'ler muss man entweder die richtigen Leute kennen, die für wenig Geld/gratis helfen, oder (wie du geschrieben hast) eine Menge Geld investieren. Das ist für mich momentan nicht möglich.
    2. Als SP'ler muss man alles können – schreiben, lektorieren, korrektorieren, Marketing, Cover Design – und ich kann davon nur Schreiben (so halbwegs) und lektorieren/korrektorieren zwar wunderbar bei anderen Menschen, aber bei meinen eigenen Texten bin ich auch nach sehr langer Schreiberfahrung völlig betriebsblind. Ich weiß, dass irgendwas komisch ist. Aber ich komme ums Verrecken NIE darauf, was genau.
    3. Für mich ist alles, was mit Business zu tun hat, ein Buch mit sieben Siegeln und ich habe momentan nicht die Energie, mich einzulernen. Zu Vieles, was bei mir drunter und drüber geht, sodass ich froh bin, wenn ich zum Schreiben komme.

    Kurz und gut: Ich bin heilfroh, all diese Dinge, die ich nicht beherrsche, in Profihände übergeben zu können. Im Gegensatz zu mir wissen sie, was sie tun, während ich leider keine Ahnung habe.

    Der Verlag, bei dem ich mich beworben habe, glänzt durch Professionalität und innovative Geschichten, wie sich noch kein Verlag getraut hat, sie zu veröffentlichen. Dabei durchgängig von sehr hoher Qualität und sehr unterhaltsam. Es ist also ein Verlag, bei dem der von dir genannte Kontrollverlust sich gut anfühlt. Ich weiß ganz genau, dass mir kein "das muss rein, weil das die Leser wollen" aufgezwungen wird und ich weiß genau, dass mein Baby dort in sehr guten Händen ist.

    Vielleicht fahre ich irgendwann den Hybridweg und veröffentliche bestimmte Bücher über Verlage und andere Bücher in Eigenregie. Aber erst, wenn ich mehr gesehen, mehr gelernt und mehr erfahren habe, damit ich keinen Mist baue :)

  2. Dein Verlag klingt echt toll :)

    Ja, dieses alles Selber machen ist schon belastend und ich bin gespannt, wie es mir damit geht, wenn das alles so richtig anrollt. Vor allem das Marketing… Wer weiß, wie ich dann über die Sache denke ;) Aber akut fühlt es sich einfach richtig an.

    Ich hab aber auch das Glück, eine fantastische Lektorin in meinem Kreis zu haben- bei eigenen Texten steh ich auch immer an, wo ich bei fremden Texten recht schnell das Problem finde.

    Das eigentlich Tolle ist für mich aber, dass man heute die Wahl hat, wann, wie und wo man etwas veröffentlicht.
    Und wie du ja oben so super beschrieben hast – auch für den Verlagsweg gibt es mehr als einen guten Grund. Man darf gespannt sein, was sich in der Zukunft in dem Bereich so tun wird :)

  3. Ein sehr guter Bericht, der nur zu wahr ist!
    (und ja, es klingt wirklich wie eine Liebeserklärung an das Selbstveröffentlichen)

    Ich habe ja dieses Jahr erst angefangen mit dem Veröffentlichen, auch bewußt ohne Verlag und auch leider mit einigen Fehlern, aber daraus lerne ich und meine nächste Veröffentlichung wird auch wieder „selbst“ erfolgen, hoffentlich dann mit weniger Fehlern ;-)

    Bei einem Verlag stört mich der „Zwang“ etwas liefern zu müssen, z.B. die erwähnte Liebesgeschichte oder das gewünschte Genre. Schreiben ist schon Arbeit genug, da muss nicht auch noch Zwang dahinter stecken und dann auch noch für einen Bruchteil des Einkommens!

    1. Da schwingt mein Enthusiasmus für das Indie-Publishing wohl sehr in dem Post mit ;)
      Ja, ich bin da ganz deiner Meinung. Und wir lernen das schon noch – bei mir geht es mit dem veröffentlichen ja erst los, das wird spannend werden.
      Was für „Fehler“ hast du denn so gemacht? Interessiert mich natürlich, da es eben bei mir auch bald einmal losgeht – man lernt ja viel voneinander :)

      1. Ein großer Fehler war, dass ich mein Bauchgefühl ignoriert habe. Ich hatte drei Beta-Leser, die vom Buch begeistert waren, davon zwei nicht ganz vorurteilsfreie Liebesromanleser und einer, der das Genre sonst nicht liest. Alle drei haben seit Jahren auf mich eingeredet und gesagt, ich solle jetzt endlich veröffentlichen und als ich dann soweit war, hat mein Bauch gesagt, dass es noch nicht so weit ist, aber ich habe nicht darauf gehört. Schlußendlich ist das Buch draußen, aber es sind zu viele Ecken und Kanten dran mit denen ich nicht glücklich bin. Ich würde es am Liebsten komplett runternehmen und noch einmal überarbeiten, eine ordentliche Danksagung ins Buch machen und den Aufbau anders gestalten, aber ich weiß, wenn ich es jetzt runternehme, kommt es nie wieder hoch *seufz*
        Ich glaube, mein Bauchgefühl lag richtig und das vergessen wir alle leider viel zu oft. Wir sollten auf uns hören. Nicht auf Freunde, Bekannte oder Fremde.
        Dann habe ich die Werbeschiene nicht richtig aufgezogen (wahrscheinlich wegen meinem Bauchgefühl). Das würde ich – hoffentlich – beim nächsten Buch anders machen. Werbung ist gerade für SPler sehr, sehr wichtig und nicht zu unterschätzen.
        Du schaffst das schon!

      2. Ja, Bauchgefühl unterschätzt man doch immer wieder.
        Das liebe Marketing – ich glaube, wenn man da keinen beruflichen Hintergrund hat, tut sich jeder am Anfang schwer damit.

      3. Nicht nur der berufliche Hintergrund, fehlt. Ich kenn das einfach noch so, dass es heißt „Eigenlob stinkt“ und darum sträubt sich in mir alles, wenn ich sagen soll „Los, kauf das Buch, das ist einfach grandios gut und jeder muss es unbedingt lesen“, aber leider ist das doch genau das, was wir SPler eigentlich machen müssen.

      4. Stimmt, das kommt noch dazu. Aber Werbung kann man ja auch auf verschiedene Arten machen, von nervig bis interessant. Das muss man nur auch erst mal lernen. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister ;)

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