Karriere als Drachenreiter

Den Weg zu meinem Brotjob lege ich mit einer Straßenbahnlinie zurück, die eine Freundin von mir als Mordor-Express bezeichnet.

Die Straßenbahn ist immer voll. Immer. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, man holpert eingezwängt die Schienen entlang. Platz um sich anzuhalten hat man meistens nicht, aber das ist nicht so schlimm, weil genug Bewegungsspielraum zum Umfallen hat man auch nicht.

Die Regeln des Mordor-Expresses sind:

1. Es steigen doppelt so viel Leute ein wie aus. (Oder wie eigentlich in die Bim gehen.)
2. Irgendwo schreit immer mindestens ein Baby.
3. Auf drei von fünf Fahrten geraten zumindest zwei der Orks Mitfahrer aneinander.

Auf geht's! Bild von Wikimedia Commons
                       Auf geht’s!
       Bild von Wikimedia Commons

Nach drei Stationen sind die meisten Mitfahrenden reif für’s Wochenende und überlegen, in ein Auto zu investieren. Oder auf HomeOffice umzusatteln.

“Wär einfacher, wenn man auf Adlern in die Arbeit reiten könnte”, hat meine Freundin gebrummt. (Ja, sie mag Herr der Ringe ;) )

Ich habe Höhenangst, für mich wär das also vermutlich schlimmer als der Mordor-Express, aber worüber ich sofort nachgrübeln musste: Zu welchem Job reitet man auf einem Riesenadler? Ich mein’, wenn man nicht grad einen Ring in einem Vulkan versenken muss.

Wenn ihr in einer Fantasy-Welt leben würdet, welchen Karriereweg würdet ihr denn einschlagen?

Das, was einer Autorin am nächsten kommt, wäre vermutlich Bardin, aber ich kann nicht singen und würde wie Troubadix von Asterix enden. Magierin wär cool, aber ich bin nicht die Geschickteste und würde mit meinen Feuerbällen (Natürlich Feuerbälle! Wenn ich schon Magierin bin, dann mit Feuerbällen!) wohl eher mich als den Bösewicht anzünden.

Ich glaube, ich wäre Wirtin in einer Schenke im schlechten aufregenden Teil der Stadt.

 

Nur hereinspaziert!
             Nur hereinspaziert!

Undefinierbares Essen austeilen und mir die Geschichten anhören, die die ganzen Abenteurer erzählen – klingt doch ganz gut. Die Barden halten einen am Laufenden, ohne dass man dem neunköpfigen Drachen oder dem finsteren Hexer der Nordwinde persönlich gegenüberstehen muss.

Ich würde mit den anderen über die Gäste spekulieren (Glaubst du, zwischen dem Magier und der Elfe läuft was? – Ich dachte, die hat was mit dem Dieb?) und Wetten über den Ausgang der Questen abschließen: Eine Kupfermünze darauf, dass er mindestens ein Aug verliert! – Nur ein Aug? Zwei Münzen darauf, dass er einen Arm verliert. – Drei darauf, dass es sein Schwertarm ist!

Außerdem kann man sich mit den Abenteurern spielen, die einen für den Quell aller Informationen halten:

Abenteurer: Wir haben gehört, es gibt Ärger in der Stadt?
Ich: Wirklich? War eigentlich alles ganz ruhig. Bis auf das ungeklärte Verschwinden von Leuten natürlich.
Abenteurer: Ungeklärtes Verschwinden?! Seit wann? Wo?
Ich: Na von hier, seit diese neue Schenke aufgemacht hat. Ich bin mir sicher, die verfolgen finstere Absichten!

Abenteurer: Wir haben gehört, dass die Magierin Tilda bei euch zu Gast war.
Ich: Ja ja, die war eine Woche hier. Ihr habt sie knapp verpasst.
Abenteurer: Hatte sie eine Nachricht für uns?
Ich: Greifenschnabel.
Abenteurer: Bitte?
Ich: Greifenschnabel.
Abenteurer: Greifenschnabel? Das war die Nachricht?
Ich: Nein, das ist unser Tagesangebot. Also? Ein Teller? Zwei?

Was wäre eure Karriere? HeldIn? DrachenreiterIn? MagierIn? BardIn?

Mjam!
                        Mjam!

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